Übersicht Forschungsschwerpunkte

Forschung in der Forensischen Medizin und Verkehrsmedizin

Die Forschungstätigkeit in der Forensischen Medizin widmete sich im Berichtsjahr der Verbesserung der rechtsmedizinischen Befunddokumentation: Eine Studie zu genitalen Verletzungen bei gesunden Frauen wurde 2025 abgeschlossen und publiziert; eine weitere Studie untersucht, ob Infrarotfotografie zur Darstellung von Hautunterblutungen auch bei Lebenduntersuchungen zuverlässig eingesetzt werden kann.

Die Anwendbarkeit der Infrarotfotografie zur Beurteilung von Verletzungen bei Lebenden

Martina Tobler, Claudia Lenz, Kathrin Gerlach


Der Nachweis, die Dokumentation und die Differenzierung von Verletzungen des Hautmantels sind in der rechtsmedizinischen Untersuchung von lebenden Personen von grosser Bedeutung, um die Art und Ursache der Gewalteinwirkung zu beurteilen und Ereignisabläufe zu rekonstruieren. Gemäss einer Studie von Bottoni et al. ist die Darstellung von Hautunterblutungen an Verstorbenen mit Infrarotfotografie sicher möglich. Unsere aktuelle, retrospektive Studie überprüft nun, ob die bei Verstorbenen erlangten Resultate mit der im Strafrecht notwendigen Sicherheit auch auf die Anwendung an lebenden Personen im rechtsmedizinischen Alltag übertragbar sind.

Zur Auswahl der studienrelevanten Fälle wurden sämtliche im Bildarchiv des IRM gesicherten Dateien von Lebenduntersuchungen zwischen 2018-2024 gesichtet. Für die Auswertung wurden Angaben aus der rechtsmedizinischen Untersuchung und aus der Fotodokumentation berücksichtigt. Zusätzlich wurde sowohl für die Tageslichtfotografien als auch die Infrarotfotografien der Kontrast zwischen Haut und Hautunterblutung berechnet.

In der durchgeführten Studie zeigte sich ein Trend zur besseren Darstellbarkeit von Hautunterblutungen bei zeitnaher Untersuchung mittels Infrarotfotografie, bei zeitlicher Verzögerung zum Ereigniszeitpunkt (ab ca. 2 Tagen) hingegen liefert die Tageslichtfotografie bessere Resultate. Weiter wurden bei der Untersuchung von stark pigmentierten Hauttypen höhere Kontrastwerte in der Infrarotfotografie festgestellt. Aufgrund der kleinen Stichprobengrösse sollten jedoch weitere Studien durchgeführt werden.

Verletzungen und anatomische Variationen der weiblichen Genitalien

Laurence Désirée Wolf, Eva Scheurer, Kathrin Gerlach


Die bereits im Vorjahresbericht vorgestellte Studie konnte 2025 erfolgreich abgeschlossen und publi-ziert werden. Ziel war die systematische Untersu-chung genitaler Verletzungen und anatomischer Variationen bei gesunden Frauen unabhängig von sexuellen Übergriffen, um die forensische Beurtei-lung von Befunden bei mutmasslicher sexueller Gewalt künftig zu verbessern.

Im Rahmen einer monozentrischen Beobachtungs-studie wurden 100 gesunde Freiwillige im Alter von 20 bis 70 Jahren standardisiert untersucht. Die äusseren Genitalien wurden klinisch untersucht sowie fotografisch inklusive Infrarotkamera doku-mentiert. Verletzungen wurden in Erosionen (ober-flächliche Epitheldefekte), Lazerationen (tiefere Gewebeverletzungen), Petechien (punktförmige Einblutungen) und Ekchymosen (flächige Blutergüs-se) eingeteilt.

Bei 30% der Probandinnen wurden Verletzungen festgestellt. Erosionen und Petechien waren mit je 12% die häufigsten Typen. Abweichend von bisheri-gen Studien war die Klitoris die am häufigsten be-troffene anatomische Struktur, gefolgt von den La-bia majora und minora. Diese exponierten Struktu-ren sind stärker externen Traumata ausgesetzt als der anatomisch besser geschützte vaginale Introi-tus.

Die Ergebnisse liefern wichtige Referenzwerte für die forensische Praxis: Wer weiss, wie häufig und wo Verletzungen im Alltagsleben auftreten, kann Be-funde in forensischen Untersuchungen differenzier-ter beurteilen. Die Studie wurde 2025 in der Fach-zeitschrift Legal Medicine publiziert.

Zur publizierten Studie